Bier, Coca-Cola, OXXO-Shops und OXXO Gas

FEMSA (Fomento Económico Mexicano SA) ist ein mexikanisches multinationales Unternehmen mit Hauptsitz in Monterrey. Es betreibt die in Mexiko führende Convenience-Shop-Kette OXXO, betreibt mit OXXO Gas Tankstellen im ganzen Land und ist die größte unabhängige Coca-Cola-Abfüllgruppe der Welt. Im Jahr 2022 hat FEMSA das Schweizer Unternehmen Valora übernommen und möchte mit deren Marken Zutritt zum europäischen Markt erhalten.

Was bedeutet FEMSA? Was ist FEMSA?

FEMSA bedeutet »Fomento Económico Mexicano«, SA ist die Abkürzung für »Sociedad Anónima«, also eine Aktiengesellschaft. Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Firmensitz in der nordmexikanischen Wirtschaftsmetropole Monterrey. FEMSA gehört zu den größten und bedeutendsten Unternehmen Mexikos und zählt auch international zu den großen Konzernen im Getränke- und Convenience-Geschäft. Der Konzern ist in 18 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 392’000 Mitarbeitende.

Gründung und Entwicklung

Die Geschichte von FEMSA beginnt 1890 in Monterrey, als lokale Unternehmer die Brauerei Cervecería Cuauhtémoc gründeten. Zu den ersten Biermarken gehörten Carta Blanca, Cuahtémoc und Bohemia, welche sich insbesondere im nördlichen Mexiko rasch etablierten.

Aus der Brauerei entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein weit verzweigter Industriekonzern. FEMSA investierte unter anderem in Verpackungen, Glas und weitere Zulieferbereiche und baute später auch das Geschäft mit Erfrischungsgetränken und den Einzelhandel aus. Ein wichtiger Schritt war 1979 der Einstieg als offizieller Abfüller von Coca-Cola in Mexiko.

Mitte der 1980er-Jahre nahm die mexikanische Bierindustrie eine entscheidende Entwicklung: Die Brauereien Cervecería Cuauhtémoc aus Monterrey und Cervecería Moctezuma aus Orizaba fusionierten. Daraus entstand die neue Unternehmensgruppe Cervecería Cuauhtémoc Moctezuma, die in den folgenden Jahren zu einem der bedeutendsten Brauereikonzerne Mexikos heranwuchs. Zu den hergestellten Biermarken gehörten unter anderem Cerveza Sol, Dos Equis XX, Tecate, Indio, Bohemia und Carta Blanca.

Im Zuge einer Neuorganisation entstand die Unternehmensgruppe Fomento Económico Mexicano SA (FEMSA). Damit wurde aus der ursprünglichen Brauerei ein breit aufgestellter mexikanischer Konzern mit den drei wichtigen Wirtschaftszweigen Getränke, Verpackungen und Handel.

Sonne und Bier Cerveza Sol aus Mexiko
Sonne und Bier Cerveza Sol aus Mexiko

Verkauf des Biergeschäfts

Ein entscheidender Wendepunkt kam 2010: FEMSA tauschte sein gesamtes Brauereigeschäft gegen eine Beteiligung von rund 20 Prozent an den niederländischen Konzern Heineken. Somit wurden die Mexikaner zeitweise zu einem wichtigen Anteilseigner des internationalen Großunternehmens Heineken. Die Beteiligung bestand über mehrere Jahre, bevor FEMSA sie ab 2023 schrittweise veräußerte. Nach zwei Jahren schloss FEMSA den Verkauf seiner letzten Heineken-Anteile ab und konzentriert sich seitdem vollständig auf seine Kernbereiche wie Coca-Cola und OXXO.

FEMSA mexikanischer Coca-Cola Abfüller
FEMSA ist einer der grössten Abfüller von Coca-Cola in Mexiko.

OXXO- die omnipräsente Ladenkette

Vom Bierladen zum Imperium

Der erste OXXO wurde 1978 von der Bierbrauerei Cuauhtémoc Moctezuma eröffnet. Der ursprüngliche Zweck bestand darin, das Bier des Unternehmens, zusammen mit Zigaretten und Snacks direkt an die Öffentlichkeit zu verkaufen. Der Name OXXO kommt dem anfänglich verwendeten Logo, einem Supermarktwagen, wobei die beiden O die Räder darstellten.

Innerhalb von zwei Jahren gab es etliche weitere Standorte im Norden Mexikos. 1982 begann das Unternehmen ein Expansionsprogramm und rekrutierte mexikanische Familien, um neue Geschäfte zu betreiben. Überall im Land poppten die markanten Shops mit dem augenfälligen rot-gelben Logo auf. 1999 eröffnete der 1000. Laden. Zeitweise kursierte das witzige Gerücht, dass dort wo ein Pappbecher Andatti-Kaffee (Eigenmarke) auf ein freies Grundstück geworfen werde, entstehe zeitnah ein neuer OXXO.

In Mexiko findet man wirklich praktisch an jeder gut frequentierten Kreuzung der größeren Städte einen OXXO. Dazu an zahlreichen Tankstellen, wobei viele davon in der Zwischenzeit von der staatlichen Pemex übernommen wurden und unter dem eigenen Brand OXXO Gas betrieben werden.

Andatti Cafe in einem OXXO-Shop
Werbung für Andatti Cafe in einem OXXO-Shop.

Vorzüge und Dienstleistungen der Shops

Viele OXXO-Shops sind 24 Stunden an 7 Tagen die Woche geöffnet. Aus Sicherheitsgründen erfolgt die Übergabe nachts mehrheitlich durch ein Verkaufsfenster. Die großzügigen Öffnungszeiten verschafft den Läden einen bedeutsamen Wettbewerbsvorteil.

Zum Standardsortiment gehören alkoholische und alkoholfreie Getränke (der hauseigene Kaffee Andatti wird von den Mexikanern entweder geliebt oder gehasst), Snacks, Lebensmittel, Süßwaren, Zigaretten/Tabakwaren, Zeitungen und Zeitschriften. Eine echte Veränderung kam in den frühen 2000er Jahren, als mit der Bereitstellung elektronischer Zahlungsdienste begonnen wurde, wie dem Kauf von Guthaben für Mobiltelefone.

Heute können Kunden bei einem OXXO noch viele weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen: Bustickets kaufen, grundlegende Bankgeschäfte erledigen, sowie Zahlung von Telefonrechnungen, Stromkosten, Internet Abo etc. vornehmen. Das Senden von Geld und insbesondere das Empfangen von Überweisungen der Familienangehörigen aus den USA, ist ein weiterer wichtiger Service.

FEMSA, OXXO-Shop für Bier und Coca-Cola
FEMSA und ihre OXXO-Shops für Bier, Coca-Cola, Kaffee und was man sonst noch so braucht.

Kritische Stimmen

OXXO wird in Mexiko vor allem wegen seiner dominanten Marktstellung und der schnellen Expansion kritisiert. Zu den wichtigsten Kritikpunkten gehören:

  • Verdrängung kleiner Läden: Vertreter kleiner »Tiendas de barrio« werfen OXXO und anderen grossen Convenience-Ketten vor, lokale Geschäfte durch die hohe Zahl an Filialen und ihre Einkaufsmacht unter Druck zu setzen. In einzelnen Regionen wurden deshalb sogar Einschränkungen für neue OXXO-Filialen gefordert.
  • Marktmacht: OXXO ist im mexikanischen Convenience-Retail aussergewöhnlich dominant; Euromonitor zufolge lag der Anteil 2025 bei rund 85 % des Convenience-Einzelhandels nach Verkaufswert. Diese Konzentration sorgt immer wieder für Diskussionen über Wettbewerb und Marktmacht.
  • Vorwurf wettbewerbswidriger Praktiken: 2025 verhängte die mexikanische Wettbewerbs- bzw. Telekommunikationsaufsicht eine Geldstrafe gegen OXXO und Telekommunikationsunternehmen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Mobilfunk-SIM-Karten. Die Behörde sah eine wettbewerbsbeschränkende Vereinbarung, während die betroffenen Unternehmen die Entscheidung zurückwiesen.
  • Preise: OXXO wird von Kunden teilweise als relativ teuer gegenüber traditionellen kleinen Läden oder Supermärkten wahrgenommen. Das Geschäftsmodell basiert allerdings auf Nähe und Bequemlichkeit, nicht unbedingt auf den niedrigsten Preisen.
Motorrad vor Coca-Cola Werbung
Motorrad vor einem kleinen Tante-Emma-Laden mit Coca-Cola Werbung.

Femsa und seine Goldgrube

Die Geschäfte sind für Femsa äußerst profitabel. Sie machen 40% des Einkommens des Unternehmens aus. Heute ist OXXO nach der Biermarke Corona und dem Mobilfunkanbieter Telcel der drittwichtigste Markenname in Mexiko.

Laut einer Abfrage auf der Femsa-Website (August 2026) verzeichnet OXXO 12 Millionen Kunden pro Tag in 25‘980 Filialen, in denen über 150‘000 Mitarbeiter nur schon in Lateinamerika beschäftigt sind. Dies macht OXXO zur dominierenden Convenience-Ladenkette in Mexiko und anderen Ländern in Lateinamerika. Die mächtigsten direkten Konkurrenten sind die ursprünglich amerikanische/japanische Kette 7-Eleven und die Shops von Circle K.

In jüngerer Zeit hat das Handelsunternehmen in Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru und anderen spanischsprachigen Ländern expandiert und sogar einige Stores in Texas eröffnet, dem Ursprungsort der Mitbewerber von 7-Eleven.

Verkäufer in OXXO-Shop
Verkäufer beim Bedienen von Kunden in einem OXXO-Shop im Norden Mexikos.

Tankstellen OXXO GAS

Etablierung eines nationalen Tankstellen-Netzes

Die Entwicklung von OXXO GAS begann bereits 1995, als FEMSA in den Tankstellenmarkt einstieg und zunächst zwei Stationen im Bundesstaat Nuevo León betrieb. Nach der Liberalisierung des mexikanischen Energiemarktes ab 2013 beschleunigte das Unternehmen seine Expansion deutlich: 2015 übernahm bzw. integrierte FEMSA 227 Tankstellen und baute das Netz bis Ende desselben Jahres auf rund 300 Stationen in 14 mexikanischen Bundesstaaten aus.

2016 wurde die Marke OXXO GAS offiziell als eigenständiges Tankstellenkonzept etabliert. Die Verbindung mit der bekannten OXXO-Marke sollte vor allem Vertrauen, Service und Convenience für die Autofahrer miteinander verbinden. Entgegen den ursprünglichen Planungen wuchs das Geschäft sehr schnell und viele weitere Tankstellen kamen dazu.

In den folgenden Jahren entwickelte sich OXXO GAS zu einem wichtigen Geschäftsfeld von FEMSA. Zum 25-jährigen Bestehen betrieb die Kette bereits mehr als 550 Tankstellen in 17 mexikanischen Bundesstaaten. FEMSA mit ihrem Brand OXXO GAS etablierte sich somit innert kürzester Zeit als ein bedeutender Tankstellenbetreiber Mexikos, zusammen mit Petroleos Mexicanos (PEMEX), Mobil, G500 und British Petrol (BP).

Tankstelle OXXO GAS und Shop
Tankstelle OXXO GAS und mit OXXO-Shop.

FEMSA Expansion nach Europa

Übernahme der Schweizer Valora Gruppe

Im Jahr 2022 wurde bekannt, dass FEMSA die Schweizer Valora-Gruppe übernehmen wird. Der entscheidende Hintergrund war FEMSA’s Expansionsstrategie im Convenience-Geschäft. Mit Valora erhielt FEMSA erstmals eine etablierte Plattform in Europa. Interessant ist, dass FEMSA nicht einfach OXXO nach Europa bringen wollte. Laut der Wirtschaftspresse sollte Valora unter ihrem bisherigen Namen weiterarbeiten und ihre bestehenden Marken, Formate und Konzepte behalten.

Ob FEMSA eines Tages auch OXXO-Shops in Europa eröffnen wird, ist noch offen. Derzeit bringt der mexikanische Konzern insbesondere seine bedeutenden finanziellen Ressourcen und die internationale Erfahrung ein. Mit dem mexikanischen Kapital soll vorerst die Marktposition der Valora-Marken gestärkt und ausgebaut werden. Valora soll damit zur europäischen Wachstumsplattform des mexikanischen Konzerns werden.

OXXO Convenience Shop in Mexiko-Stadt
OXXO Convenience Shop in Mexiko-Stadt. Ob nach der Übernahme von Valora auch bald OXXO-Läden nach Europa kommen?

Valora international tätiges Handelsunternehmen

Valora ist ein Schweizer Detailhandels- und Food-Service-Konzern, der sich auf kleine Verkaufsstellen an stark frequentierten Standorten wie Bahnhöfen, Innenstädten und Verkehrsknotenpunkten spezialisiert hat. Das Unternehmen betreibt rund 2800 Verkaufsstellen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden und beschäftigt etwa 15’000 Mitarbeitende. Im Zentrum steht das sogenannte Foodvenience-Geschäft, also die Verbindung von Convenience-Retail mit schnell verfügbaren Lebensmitteln und Verpflegung zum Mitnehmen.

  • k kiosk: das klassische Kioskformat und eine der bekanntesten Valora-Marken in der Schweiz. Angeboten werden unter anderem Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren, Snacks, Getränke, Süsswaren und verschiedene Dienstleistungen.
  • avec: modernes Convenience-Konzept mit Lebensmitteln, Getränken, Snacks und Produkten für den täglichen Bedarf. Die Marke ist besonders an Bahnhöfen und Tankstellen vertreten und wird inzwischen auch in Deutschland ausgebaut.
  • Press & Books (P&B): Verkaufsstellen für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, vor allem an Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten.
  • Brezelkönig: Schweizer Spezialist für Brezeln, Laugengebäck und Snacks. Die Marke gehört zum Food-Service-Bereich und ist vor allem in der Schweiz präsent.
  • Ditsch: Deutsches Pendant beziehungsweise Schwesterkonzept von Brezelkönig, spezialisiert auf Laugengebäck und schnelle Snacks. Ditsch verfügt über eine besonders starke Präsenz in Deutschland.
  • BackWerk: Ein Selbstbedienungs- und Snackbäckerei-Konzept aus Deutschland mit Sandwiches, Backwaren, Snacks und Getränken.
  • Caffè Spettacolo: Café-Konzept mit italienisch geprägtem Kaffeeangebot, Snacks und Backwaren.
Femsa aus Mexiko und Valora-Gruppe Schweiz
Femsa aus Mexiko hat die Valora-Gruppe aus der Schweiz übernommen. Dazu gehören Marken wie K Kiosk, Spettacolo, Brezelkönig, avec und viele mehr.

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