Mexikanische Autoren und ihre besten Werke

Die mexikanische Literatur hat eine unglaublich reiche Geschichte und reicht von alten Maya- und Azteken-Mythen bis hin zu den berühmten Erzählungen über die mexikanische Revolution. Weltbekannte Schriftsteller wie Octavio Paz und Carlos Fuentes haben das Land mit ihren Werken tief geprägt und international bekannt gemacht. Heute ist die Literaturszene moderner und vielfältiger denn je und begeistert Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt.

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Frühste Literatur

Als frühste mexikanische Literatur könnte man die Hieroglyphen auf den Steinsäulen und Gebäude der Maya bezeichnen, wo vor allem über kriegerische Auseinandersetzungen und das Leben der Herrscher und des Volkes geschrieben wurde.

Der größte Teil der Maya-Literatur und der Bilderschriften wurde von den spanischen Eroberern zerstört. Die beiden Werke »Popol-Vuh« (Buch des Rates) und »Chilam Balam« (Prophet Jaguar) geben jedoch aufschlussreiche Angaben von mündlichen Überlieferungen über die Mythologie, Tradition und Geschichte der Ureinwohner von Mexiko.

Stimmen aus der Kolonialzeit

Der spanische Missionar Fray Bernardino de Sahagún (1500-1590) erforschte die Náhuatl-Literatur, also die Literatur der Azteken. Insbesondere war er angetan vom kulturellen Schaffen des Aztekenherrschers Nezahualcóyotl, einem begabten Dichter und Philosophen.

Das wohl eindrücklichste Werk über die spanische Eroberung von Mexiko ist das Buch »Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien«, erzählt vom spanischen Soldaten Bernal Díaz del Castillo (1492-1550). Er war unter Hernán Cortés Streitkraft, welche an der mexikanischen Ostküste bei Veracruz landete und dann im Hochland die Eroberung der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán vollführte. Dabei hat er die Ereignisse erstaunlich präzise niedergeschrieben.

Während der Kolonialzeit im 17. – 19. Jahrhundert schrieben viele Autoren über die geschichtliche Entwicklung Mexikos, die Integration und die neu entstandene nationale Identität. Die Wirren der mexikanischen Revolution wurden mit zahlreichen Biografien von Nationalhelden wie Miguel Hidalgo, Pancho Villa und Emiliano Zapata aufgezeichnet.

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Goldenes Zeitalter der mexikanischen Literatur

Das Goldene Zeitalter der mexikanischen Literatur zog sich im Wesentlichen durch das 20. Jahrhundert. Nach den traumatischen Erlebnissen der mexikanischen Revolution entstand zunächst der sogenannte Revolutionsroman, der die brutale Realität und die Desillusionierung des Bürgerkriegs ungeschönt festhielt.

Prägende Meisterwerke entstanden durch Autoren wie Juan Rulfo, dessen geisterhafte Welten in Pedro Páramo den magischen Realismus vorwegnahmen, und Carlos Fuentes, der die urbane Moderne sowie politische Korruption in wuchtigen Romanen sezierte. Gleichzeitig verband Octavio Paz in seiner Lyrik und seinen wegweisenden Essays die mexikanische Identität mit philosophischen Fragen von weltweiter Bedeutung.

Zeitgenössische mexikanische Literatur

Die zeitgenössische mexikanische Literatur zeichnet sich durch eine enorme stilistische Vielfalt und drängende Gegenwartsthemen aus. Anstelle der traditionellen Nationalromane rücken heute urbane Entfremdung, Gewalt, Migration und soziale Abgründe in den Fokus. Getragen wird diese lebendige Szene von einer starken neuen Generation, die den literarischen Ton angibt.

Prägende Stimmen dieser modernen Literaturszene sind unter anderem Fernanda Melchor, die in ihrem wuchtigen Roman »Saison der Wirbelstürme« den moralischen Verfall und die Abgründe einer Dorfgemeinschaft seziert oder Juan Villoro, der in feinsinniger Prosa wie in »Der Herr der Moskitos« oder seinen Großstadt-Romanen das urbane Leben und die gesellschaftlichen Konflikte Mexikos beleuchtet.

Ein weiteres bekanntes Werk stammt von Yuri Herrera: »Abgesang des Königs« (im Original: Trabajos del reino), da gerät ein Musiker in den Bann eines mächtigen Drogenbosses an der Grenze und erlebt hautnah die Mechanismen von Macht, Gewalt und Abhängigkeit. Dazu natürlich Laura Esquivel, die auch im deutschsprachigen Raum viel Beachtung gefunden hat mit ihrem Roman »Bittersüße Schokolade«. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Literatur und Bücher aus Mexiko
Literatur und Bücher aus Mexiko.

Bekannte mexikanische Schriftsteller

Octavio Paz

Octavio Paz (1914–1998) wuchs in Mexiko-Stadt auf, reiste viel im Ausland (unter anderem als Diplomat in Indien und Frankreich) und prägte die literarische und intellektuelle Welt Mexikos über Jahrzehnte hinweg tief.

Der Schriftsteller gilt als der große Meister der mexikanischen Literatur, als Chronist der mexikanischen Seele. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und 1990 erhielt er für sein Schaffen den Nobelpreis für Literatur. In seinen Büchern »Das andere Mexiko« (El otro Mexico) und »Labyrinth der Einsamkeit« (Laberinto de la Soledad) analysiert er selbstironisch die mexikanische Gesellschaft auf der Suche nach sich selbst und die Entstehung der Mexicanidad. Es gibt wahrscheinlich kein einziges Sachbuch oder Reiseführer über Mexiko, in denen Octavio Paz nicht zitiert würde.

Carlos Fuentes

Carlos Fuentes (1928–2012) wurde als Sohn eines mexikanischen Diplomaten in Panama-Stadt geboren. Er verbrachte seine Jugend in verschiedenen internationalen Metropolen wie Washington D.C., Santiago de Chile und Buenos Aires, bevor er nach Mexiko-Stadt zog. Nach seinem Jura- und Wirtschaftsstudium schlug er sowohl eine diplomatische Karriere als Botschafter als auch den Weg als Schriftsteller ein.

Carlos Fuentes zählt zu den großen lateinamerikanischen Autoren der Gegenwartsliteratur, zusammen mit dem Kolumbianer Gabriel Garcia Márquez und dem Peruaner Mario Vargas Llosa. 1987 bekam er für sein Lebenswerk den anerkannten Premio Miguel de Cervantes überreicht, den wichtigsten Literaturpreis der spanischen Sprache.

Zu den herausragenden Werken von Carlos Fuentes zählen der gigantische Roman »Terra Nostra«, mit einer sozialkritischen Analyse der Beziehung der spanischen Kolonialmacht mit Mexiko, verknüpft mit einer gegenwärtigen Sichtweise. Außerdem sticht das Buch » Der Tod des Artemio Cruz« heraus, eine Geschichte über Hoffnung und Verrat während der mexikanischen Revolution.

Elena Poniatowska

Elena Poniatowska ist die Tochter eines polnischen Vaters und einer Mexikanerin, die in Paris wohnten. Im Alter von zehn Jahren zog die Familie wegen dem zweiten Weltkrieg nach Mexiko-Stadt.

Elena Poniatowska schlug zunächst eine Laufbahn als Journalistin ein, wobei sie sich vor allem durch tiefgründige Interviews, Reportagen und den Mut zur Aufarbeitung sozialer Missstände einen Namen machte. Sie solidarisiert sich mit der Unterdrückung der mexikanischen Frau und der allgegenwärtigen Ungerechtigkeit in der mexikanischen Gesellschaft.

Aus dieser journalistischen Arbeit heraus entwickelte sie ihren einzigartigen literarischen Stil, der reale Stimmen und Schicksale in den Mittelpunkt stellt. Ihr umfangreiches Schaffen brachte ihr im Jahr 2013 den renommierten Cervantes-Preis ein.

Berühmt wurde sie insbesondere durch ihren dokumentarischen Roman »La noche de Tlatelolco« über das Massaker an Studierenden im Jahr 1968 in Mexiko-Stadt. Sehr lesenswert ist ihr Roman »Tinisima« (1991) über das schillernde und politisch bewegte Leben der berühmten italienischen Fotografin und Aktivistin Tina Modotti, sowie das bewegende Buch »Hasta no verte Jesús mío« (1969) über eine Kämpferin der mexikanischen Revolution

Buchhandlung in Mexiko-Stadt
Buchhandlung in Mexiko-Stadt.

Paco Ignacio Taibo II

Paco Ignacio Taibo II wurde zwar in Spanien geboren, zog aber im Kindesalter mit seiner Familie nach Mexiko-Stadt, das bis heute seine Wahlheimat ist. Er arbeitete lange als Journalist, Aktivist und Geschichtsprofessor, bevor er zu einer der treibenden Kräfte des modernen lateinamerikanischen Kriminalromans wurde.

Der mexikanische Schriftsteller mit dem auffallenden Namen ist ein renommierter Spezialist für spannende Unterhaltung. Er wird als einer der anspruchsvollsten Krimiautoren in ganz Lateinamerika bezeichnet. Bekannte Romane sind unter anderem »Der Schatten des Schattens«, »Das Fahrrad des Leonardo da Vinci« und »Comeback eines Toten«. Sein literarisches Schaffen umfasst auch abenteuerliche Reportagen und eine Biografie von Che Guevara.

Laura Esquivel

Laura Esquivel gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Stimmen der mexikanischen Literatur. Bevor sie weltberühmte Romane schrieb, arbeitete sie als Lehrerin, schrieb Theaterstücke für Kinder und verfasste Drehbücher für das Fernsehen, was ihren bildhaften und lebendigen Schreibstil stark prägte.  

Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr 1989 mit dem Debütroman »Como agua para chocolate« (deutscher Titel: Bittersüße Schokolade). Das Buch, das die magischen Elemente der lateinamerikanischen Literatur mit Kochrezepten und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte zur Zeit der mexikanischen Revolution verbindet, wurde ein weltweiter Bestseller und erfolgreich verfilmt.

Ihr erster Ehemann war der mexikanische Regisseur und Produzent Alfonso Arau, mit dem sie von 1975 bis 1993 verheiratet war. Er hat damals ihren berühmten Roman »Bittersüße Schokolade« fürs Kino verfilmt.

Guillermo Arriaga

Der aus Mexiko-Stadt stammende Guillermo Arriaga hat sich als einer der prägendsten und vielseitigsten Köpfe der modernen mexikanischen Kultur etabliert. Zudem feierte er in der Weltliteratur und im internationalen Film gleichermaßen Erfolge.

Berühmt wurde er zunächst als Drehbuchautor der gefeierten Filme »Amores Perros«, »21 Gramm« und »Babel« (wobei letzterer ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte) sowie für »The Three Burials of Melquiades Estrada«, wofür er in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde.

Parallel zu seiner Filmkarriere schuf Arriaga auch literarische Werke. Zu seinen wichtigsten Romanen zählen »Der Wilde«, der das Leben eines Jugendlichen in den Straßen von Mexiko-Stadt mit der Jagd nach einem Wolf verknüpft, sowie das Epos »Das Feuer retten«, eine packende und radikale Erkundung von Liebe und Klassenkollisionen im modernen Mexiko.  

Literatur und Buchtipp
Mexikaner lesen gerne Werke von einheimischen Schriftstellern und Autoren.

Yuri Herrera

Der mexikanische Autor Yuri Herrera studierte zuerst Politikwissenschaft in Mexiko-Stadt, dann kreatives Schreiben in El Paso sowie Literatur in Berkeley, bevor er als Professor in die USA ging. Bekannt für seine präzise, poetische und bildhafte Sprache, verknüpft er in seinen Werken mythologische Motive mit zeitgenössischen Krisen wie Migration und Gewalt.

Zu seinen wichtigsten Werken zählt das gefeierte Romandebüt »Abgesang des Königs«, das aus der Perspektive eines Hofmusikers die brutale Realität eines Drogenkartells beleuchtet. Oder den von einer von Bandenkriegen heimgesuchten Stadt spielenden Roman »Körperwanderung«, sowie die literarische Hommage »Die Jahreszeit der Sümpfe« über den jungen Benito Juárez im Exil.

Silvia Moreno-Garcia

Die mexikanische Schriftstellerin Silvia Moreno-Garcia ist für ihre Horror-, Fantasy- und Gothic-Romane international bekannt. Sie wurde in Baja California geboren und zog 2004 nach Kanada. Dort studierte sie an der University of British Columbia in Vancouver. Mit ihrem ersten Roman »Signal to Noise« begann ihre literarische Karriere. Ihren internationalen Durchbruch erzielte sie mit »Gods of Jade and Shadow« und insbesondere mit »Mexican Gothic«, einem Horrorroman, der im Mexiko der 1950er-Jahre spielt.

Ihre Romane verbinden Horror, Fantasy und historische Erzählungen mit mexikanischer Geschichte, Mythologie und Kultur. Häufig thematisiert sie gesellschaftliche Machtverhältnisse und stellt Frauen in den Mittelpunkt, die sich gegen Bedrohungen und gesellschaftliche Erwartungen behaupten müssen. Durch ihren vielseitigen Schreibstil hat sie sich als bedeutende Autorin der zeitgenössischen Literatur etabliert.

Fernanda Melchor

Fernanda Melchor wurde in Veracruz geboren, einer Hafenstadt am Golf von Mexiko, die ihren literarischen Stil und ihre Themen stark prägte. Sie studierte Journalismus an der Universidad Veracruzana und machte sich zunächst in mexikanischen Medien und Kulturzeitschriften einen Namen als Reporterin und Essayistin.

Mittlerweile gehört Fernanda Melchor zu den kraftvollsten und international gefeierten Stimmen der modernen mexikanischen Literatur. In ihren Werken schreibt sie mit großer Wucht und radikaler Ehrlichkeit über die Schattenseiten des menschlichen Zusammenlebens, Armut und die Ursachen von Gewalt in ihrer Heimat.

Ihr bekanntester Roman ist »Saison der Wirbelstürme« (Temporada de huracanes), der weltweit für Aufsehen sorgte. Darin erzählt sie in einem atemlosen, mitreißenden Schreibstil von der brutalen Ermordung einer Frau und beleuchtet dabei die Abgründe, Vorurteile und die verzweifelten Lebensumstände der Dorfbewohner.

Schriftsteller, Literatur und Buch aus Mexiko
Bücher von mexikanischen Schriftstellerinnen: Silvia Moreno-Garcia, Fernanda Melchor und Laura Esquivel.

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