Abgeschiedene Ruinenstadt im Hochtal von Zacatecas

Auf einem dominanten Hügel, abgeschieden in einem Hochtal südlich der lokalen Hauptstadt Zacatecas, findest du die archäologische Zone von La Quemada, auch Chicomoztoc genannt. Die Ruinen sind wenig bekannt und entsprechend wenig besucht, sodass du diese alternative Sehenswürdigkeit in aller Ruhe genießen kannst.

Legende des mythischen Chicomoztoc

Um die archäologische Zone von La Quemada ranken sich viele Theorien. Eine besagt, die Azteken hätten auf ihrer legendären Wanderung Richtung Valle de México, wo sie später ihre Hauptstadt Tenochtitlán errichten sollten, hier Halt gemacht. Chicomoztoc ist der Name für den mythischen Ursprungsort der Nahuatl-sprechenden Völker in Mexiko. Es gibt allerdings noch andere Orte, die als Wiege der Azteken gelten.

Entwicklung der Stadt

Die Stätte erlebte ihren Höhepunkt in der Zeit zwischen ca. 450 und 650 n. Chr., also etwa gleichzeitig mit den weiter südlich gelegenen Orten Teotihuacán und Tula. La Quemada wurde zum bedeutendsten Zentrum im nördlichen Zentralmexiko. Die Herrscher verwalteten in der Umgebung über 200 Siedlungen unterschiedlicher Funktion und Größe. Sie kontrollierten die Abgaben und Ressourcen für den Lebensunterhalt der Bevölkerung, sowie die Prozessionen zu Ehren ihrer Gottheiten. Der Niedergang wurde mit einem Feuer eingeleitet, welches einen beträchtlichen Teil der Gebäude zerstörte – daher stammt auch der Name La Quemada (die verbrannte Stadt).


Rundgang durch die archäologische Zone

Umfassungsmauer

Diese Ringmauer wird durch ihre Ausmaße (vier Meter hoch und drei Meter dick) sowie durch ihre Lage an den Rändern der Felsen hervorgehoben. Anscheinend wurde das Bauwerk gegen Ende der Besiedlung von La Quemada errichtet und ist vielleicht einer der besten Indikatoren für die Probleme, mit denen die Bewohner konfrontiert waren, aber auch für ihre Beharrlichkeit, dort zu bleiben.

Chicomoztoc oder La Quemada von Zacatecas
Schutzmauer der Ruinenstadt Chicomoztoc oder La Quemada im Bundesstaat Zacatecas.

Säulensaal (salón de las columnas)

Rund ein Duzend Pfeiler bilden den Saal der Säulen. Diese stützten früher das Dach. Die genaue Funktion des Gebäudes ist bis heute nicht bekannt. Arbeiten aus den 1950er Jahren deuten jedoch auf eine zeremonielle Nutzung hin, die möglicherweise mit Menschenopfern zusammenhing.

Pfeiler im Säulensaal von La Quemada
Eindrücklicher Säulensaal, der wahrscheinlich für zeremonielle Zwecke genutzt wurde.

Ballspielplatz (juego de pelota)

Der Ballspielplatz wurde auf einer riesigen Plattform errichtet und ist typisch für so manche Völker und Städte der präkolumbianischen Völker Mesoamerikas. Zu dieser Zeit war es ein sportliches und zugleich zeremonielles Spiel. Es galt einen 3-5 kg schweren Ball mit der Hüfte vorwärts zu bewegen, an den Gegenspielern vorbei, aus einer markierten Zone hinaus.

Ballspielplatz (juego de pelotas)
Ballspielplatz (juego de pelotas) mit Votiv-Pyramide im Hintergrund.

Votiv-Pyramide

Die Votiv-Pyramide ist das auffälligste Gebäude von Chicomoztoc. Das mehr als 12 Meter hohe Bauwerk unterscheidet sich deutlich von anderen Pyramiden Mesoamerikas. Diese wurden typischerweise aus einem Kern aus Schutt und Erde errichtet, der zu Plattformen mit Treppen geformt und dann mit Stein verkleidet wurden. Die Votiv-Pyramide ist jedoch nicht gestuft und zeichnet sich durch die starke Neigung seiner Wände aus. Es sind nur noch wenige Treppenreihen am Fuße der Pyramide verblieben. Es wird angenommen, dass sich zuoberst auf der Struktur ein Tempel befand.

Votiv-Pyramide von La Quemada
Blick über die Votiv-Pyramide von La Quemada mit der Lagune im Hintergrund.

Zitadelle (ciudadela)

Auf dem höchsten Teil der Anlage wurden mehrere Gebäude identifiziert, die möglicherweise zu zeremoniellen und Verteidigungszwecken genutzt wurden.

Archäologische Zone La Quemada
Obere Gebäudestrukturen der archäologischen Zone.

Archäologisches Museum

Das Museum bietet durch Videoproduktionen, verschiedene informative Elemente und einem maßstabsgetreuen Modell von La Quemada, einen Überblick über die archäologische Entwicklung in Zentral- und Nordmexiko. Es wurde mit denselben Materialien erstellt, die für die Gebäude der Ausgrabungsstätte charakteristisch sind, mit Steinplatten, Stuck und entsprechender Verkleidung. Die Ausstellungsräume befinden sich gleich eingangs, vor du die archäologische Zone betrittst.


Wie kommst du nach La Quemada?

Die archäologische Zone von La Quemada liegt 56 Kilometer südlich der Stadt Zacatecas. Mit dem eigenen Fahrzeug kannst du auf der Bundesstraße 54 in Richtung Guadalajara fahren. Nur wenige Kilometer von Villanueva entfernt, befindet sich die Abzweigung nach La Quemada. Von hier aus erreichst du nach 2.5 Kilometern den Eingang zur archäologischen Stätte.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kannst du in der Stadt Zacatecas bei der Plaza Bicentenario einen Combi-Bus nach Villanueva boarden. Weise den Fahrer darauf hin, dass du beim Abzweiger von La Quemada aussteigen möchtest. Die verbleibenden 2.5 km sind zu Fuß in ca. 30 Minuten machbar.

Alternativ kannst du in Zacatecas einen Taxifahrer für eine Tour anheuern. Diese sollte Hin- und Rückfahrt, sowie eine Wartezeit von ca. 1-2 h beinhalten, damit du auch ausreichend Zeit hast, die Ruinenstadt zu besichtigen. Kostenpunkt etwa MEX 700 (rund EUR 40).

Kakteen säumen Wanderweg in Mexiko
Kakteen säumen den Wanderweg zu den Ruinen von La Quemada.