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Mexikanische Knigge, Umgangsformen, Tabus, Fettnäpfchen

Mexiko-Knigge und Umgangsformen

Unsere Mexiko-Knigge hilft Fettnäpfchen zu vermeiden, ob zum Reisen oder für ein Business-Treffen.

Grundregeln mexikanische Umgangsformen und Etikette

Begrüssung

Zur Begrüssung schüttelt man sich in Mexiko die Hände. Das gilt für ein Business-Treffen genau so wie unter Kollegen. Zwischen Freunden ist eine Umarmung und ein freundschaftliches Schulterklopfen üblich. Bei befreundeten Frauen gibt man einen angedeuteten Kuss auf die Wange. Begleitet wird der Akt vom Austausch einiger Nettigkeiten.

Anrede

In Mexiko ist es üblich, dass man seine Gesprächspartner siezt. Männer werden mit Señor, Frauen mit Señorita (unverheiratet) oder Señora (verheiratet) und dem Nachnamen angesprochen. Akademische Titel sind ein Teil der Anrede, wie etwa "profesor" (Lehrer), "ingeniero" (Ingenieur) oder "licenciado". Ein Licenciado ist jemand mit einem abgeschlossenen Universitätsstudium, was in Mexiko schon als erwähnenswert gilt. So bald das Eis gebrochen ist, wird jedoch meist rasch auf Vornamen-Basis gewechselt. Weitere Infos zu den Namen in Mexiko.

Kommunikation und Tabus

Die Mexikaner sprechen gerne über ihre Familie, es gilt gesellschaftlich fast schon selbstverständlich, dass man heiratet und Kinder hat. Sport (insbesondere der Lieblingssport Fussball), Reisen, Mode, Musik und Kunst sind ebenfalls passende Einstiegsthemen für eine Unterhaltung. Die Mexikaner schätzen Kenntnisse und Achtung ihrer Traditionen und Kultur. Tabu sind politische sowie religiöse Angelegenheiten, Korruption und allgemein eine kritische Einstellung zu Mexiko. Die Mexikaner sind ein sehr stolzes, patriotisches Volk. Kritik an ihrem Land ist nicht angebracht, auch wenn sie selbst durchaus sarkastisch und sogar humorvoll gewisse Probleme ansprechen.

Körpersprache und Mimik haben hier einen höheren Stellenwert als im deutschsprachigen Raum. Falls jedoch ein Mexikaner den Augenkontakt meidet und sogar beim Anstossen in eine andere Richtung schaut, ist dies vielmehr ein Zeichen von Respekt, als eine Beleidigung. Die Umgangsformen sind weniger direkt als bei uns. In Mexiko gilt es als unhöflich, seine Meinung frei heraus zu äussern, es sollte immer zuerst ein gegenseitiges Abtasten stattfinden, begleitet von höflichen Floskeln und einem freundlichen Lächeln. Ein direktes "Nein" wird nie geäussert, es sollte tunlichst umschrieben werden.

Sprache

Die Muttersprache in Mexiko ist Spanisch. Auf Reisen wird in touristischen Gebieten Englisch verstanden, jedoch kaum in ländlichen, abgelegenen Regionen. Ein paar Brocken Spanisch zu lernen und sich einige gängige Höflichkeitsfloskeln einzuprägen, wird von den Mexikanern wohlwollend aufgenommen. Im Business ist Englisch allgemein akzeptiert. Englisch wird wohl an Universitäten und privaten Sprachschulen unterrichtet, doch wird dem nicht die gleiche Wichtigkeit wie in Europa beigemessen. Somit ist es gut möglich, dass auch ein gebildeter Geschäftspartner sich mehr schlecht als recht auf Englisch verständigen kann.

Kleidung

Passende Kleider in Mexiko

Die mexikanische Gesellschaft liebt es sich gut zu kleiden und legt viel Wert auf ein gepflegtes Äusseres. Leute aus einfachen Verhältnissen präsentieren sonntags ein frisch gewaschenes weisses Hemd oder ein attraktives Kleid. Kinder werden oft trotz finanziellen Engpässen liebevoll gekleidet. Die Schuhe sind stets blitzblank geputzt, dank den zahlreichen öffentlichen Schuhputzern. Selbst in Regionen mit einem heissen Klima, wird der Dresscode eingehalten, Shorts sind nur am Strand zu sehen. Zu offiziellen Anlässen und in Restaurants sollte man sich entsprechend kleiden. Auf Reisen geht selbstverständlich bequeme und legere Kleidung in Ordnung. Für ein geschäftliches Treffen ist die Kleidung in den Grossstädten konservativ: Anzug und Krawatte bei den Herren, ein formelles Kleid bei den Damen. Mexikanische Frauen kleiden sich schon mal gewagt freizügig, was bei Ausländerinnen jedoch bestimmt nicht angebracht ist.

Pünktlichkeit

Mexikaner haben ihre eigene Interpretation der Pünktlichkeit, sie wird nicht so genau genommen. Die "mañana-Mentalität" ist sehr mexikanisch. Warum die Eile, wenn etwas genauso so gut "mañana", also am nächsten Tag erledigt werden kann? Die Geduld ist gefragt bei Behörden, da wird einem gleich zu verstehen gegeben, dass man froh sein darf überhaupt einen Termin zu erhalten. Wartezeiten von mehreren Stunden sind möglich. Wichtig ist dabei ruhig und höflich zu bleiben, bei Kritik läuft sonst überhaupt nichts mehr.

Bei privaten Einladungen sollte man etwa eine halbe Stunde später als die ausgemachte Uhrzeit erscheinen, es wird sogar als unhöflich angesehen, wenn man zu pünktlich erscheint. Bei Geschäftsterminen wird jedoch Pünktlichkeit erwartet, auch wenn die mexikanischen Partner dann etwas später erscheinen.

Geschenke

Wenn man zu jemandem nach Hause eingeladen wird, kann man ein kleines Gastgeschenk mitbringen. Als Faustregel gilt lieber ein kleines, landestypisches Geschenk, da sich die Mexikaner sonst verpflichtet fühlen, bei anderer Gelegenheit etwas Gleichwertiges schenken zu müssen.

Trinkgeld

In Restaurants gibt man ein Trinkgeld von 10-15% des Rechnungsbetrages. Die Angestellten sind auf diese Zusatzeinnahmen angewiesen, es ist ein fester Bestandteil der Tageseinnahmen, da ihr Lohn niedrig bemessen ist. Aufgepasst in touristischen Regionen entlang den Küsten, dort wird das Trinkgeld manchmal schon dazugerechnet und muss nicht nochmals aufgerechnet werden, respektive reicht dann die Rundung des Betrages.

Weitere Dienstleistungen welche in Mexiko mit einem Trinkgeld beglichen werden: Zimmermädchen (legen oft ein mit ihrem Namen angeschriebenen Briefumschlag ins Zimmer), Kofferträger, Einparkgehilfen, Aufpasser auf Parkplätzen, Einpacker in Supermärkten, Toilettenangestellte u.a. Taxifahrer erwarten kein Trinkgeld, eventuell kann man den Betrag aufrunden.

Bestechung

Bestechung ist ein zu hartes Wort nach der mexikanischen Vorstellung, darum wird das Wort "mordida" (Biss) verwendet. Hierbei handelt es sich um einen Geldbetrag, der gewisse Dinge ermöglichen oder beschleunigen kann. Eine "mordida" könnte eine "direkt" bezahlte Parkbusse sein, die sofortige Ausstellung eines Dokumentes ermöglichen oder das Wegsehen in einem kritischen Augenblick erwirken. Als Ausländer sollte man nicht voreilig handeln, sondern abwarten bis die Möglichkeit signalisiert wird.

Fotografieren

Leider haben viele Reisende das Gefühl, jeder Mexikaner sei ein gerne posierendes Fotomodel. Ein kurzes Nachfragen sollte selbstverständlich sein, dabei reicht schon das andeuten mit der Kamera, falls man kein Spanisch spricht. Meist wird dann auch eingewilligt. Das Zeigen der Aufnahme auf dem Display der Digitalkamera zaubert danach meist ein stolzes Lächeln ins Gesicht der Einheimischen.

In indianisch geprägten Regionen wie z.B. Oaxaca, Chiapas und Yucatán herrscht der Glaube, dass ein Foto die Seele rauben kann. Hier also unbedingt rücksichtsvoll mit der Fotokamera umgehen oder halt mal eine Erinnerung im Gedächtnis statt in digitaler Form verewigen.