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San Cristóbal de las Casas im Hochland von Chiapas

Kathedrale von San Cristóbal de las Casas

Der Hauptplatz Plaza 31 de marzo mit der gelben Kathedrale von San Cristóbal de las Casas.

Reiseziel San Cristóbal de las Casas

Kolonialstadt im Hochland von Chiapas

Hoch im Nebelwald von Chiapas, auf fast 2'000 m über Meer, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, liegt die alte Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas. Seit etwa 500 Jahre verfolgt es sein eigenes Schicksal, isoliert von der Welt wie auf einem anderen Planeten. Einerseits sieht man weiss getünchte Gebäude mit den vorstehenden, roten Ziegeldächern, andererseits die farbenfroh renovierten Fassaden der Kolonialhäuser und mit Blumen geschmückte Innenhöfe. Schmale, gepflasterten Strassen durchkreuzen die Stadt. Durch die Jahrhunderte hat San Cristóbal sein unverwechselbares koloniales Ambiente beibehalten und ist trotz seiner relativen Grösse mit gegen 250'000 Bewohnern eine kleine verschlafene Stadt geblieben, mit einer äusserst reizvollen Atmosphäre.

Das indigene Mexiko

Es gibt in San Cristóbal wie drei parallele, co-existierende Städte. Einerseits die touristische Seite, der offensichtliche Charme der Stadt wirkt wie ein Magnet auf Reisende aus aller Welt. Dann die Monotonie des Alltags der Stadtbewohner und andererseits die verheerende Armut der indigenen Bewohner in den Aussenbezirken und den umliegenden Gemeinden.

Das indigene Mexiko ist im Hochland von Chiapas besonders tief verwurzelt, eine Mischung von kolonialer Vergangenheit und indigener Gegenwart. San Cristóbal de las Casas ist mehr als nur ein Ort und seine angepriesenen Sehenswürdigkeiten. Vor allem sind es die Leute, welche das Stadtbild prägen. Die indianischen Frauen, die in den Strassen barfuss gehen und an den Strassenecken handgefertigte Puppen und geröstete Erdnüsse feilbieten. Die alten Männer mit weissen Hosen, Guayabera (Leinenhemd) und Gummi-Reifen Sandalen bekleidet, die in gebückter Haltung enorme Lasten auf den arg gebeutelten Rücken schleppen. Die Maya-Kinder, die bettelnd die Touristen belagern und versuchen Kaugummis gegen eine freiwillige Spende zu verschenken oder auf dem Bürgersteig auf einem Tuch Packungen von Bohnen oder Früchten verkaufen, um das Einkommen ihrer Familien aufzubessern.

Subcomandante Marcos und die Zapatisten des EZLN

San Cristóbal de las Casas rückte 1994 plötzlich ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, als der legendäre Subcomandante Marcos und seine indianische Befreiungsarmee der Zapatisten (EZLN, Ejército Zapatista de Liberación Nacional) kurzzeitig die Stadt besetzte. Sie wollten damit ein Zeichen setzen gegen die Armut und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch die Grossgrundbesitzer und die politischen Profiteure der regierenden PRI Partei. Obwohl die soziale Ungleichheit der Region national und international bekannt gemacht wurde, ist Chiapas immer noch der ärmste Bundesstaat in Mexiko.

Feierlichkeiten zu Ostern

Das Osterfestival der Semana Santa ist immer eine Reise Wert. Es ist eine dramatische Nachstellung der Kreuzigung, welche auf der Plaza aufgeführt wird. Sobald es dunkel wird, gibt es die symbolische Verbrennung des Judas. Ostern ist auch eine Zeit der Prozessionen mit singenden Teilnehmern, welche Plattformen mit religiösen Persönlichkeiten mit sich tragen. Sie gehen von Haus zu Haus, halten bei denjenigen Wohnungen, welche Schreine errichtet haben und beten und segnen das Haus und seine Bewohner vor dem weitergehen.

Man spricht Spanisch

Ausserdem hat sich die Stadt als beliebter Kursort für einen Sprachaufenthalt etabliert. Mehrere gute Sprachschulen bieten Kurse für Anfänger bis Fortgeschrittene, in kleinen Klassen oder auch Einzelunterricht mit einer lokalen Lehrkraft.

Sehenswürdigkeiten in San Cristóbal de las Casas

Hauptplatz und Kathedrale Nuestra Señora de la Asuncioón

Die Fassade erscheint in einem dominanten Gelb, verziert mit weissen Dekorationsmotiven und scheinbar umrahmt mit rötlichen Baustrukturen. Die majestätische Kathedrale ist ein zu den touristischen Attraktionen gehörender Anziehungspunkt auf dem baumbewachsenen Hauptplatz Plaza 31 de marzo. Die Kirche scheint 24 Stunden von älteren indianischen Frauen belagert zu sein. Barfuss und eingewickelt in einfache Tücher und Umhänge sitzen sie da oder knien vor der erhöhten Altar-Plattform und beten den darüber hängenden Jesus an. Oder verehren heimlich den Bischof Samuel Ruiz, der sich aller Widrigkeiten zum Trotz in der jüngeren Geschichte der Region für die Rechte der indianischen Bevölkerung in Chiapas einsetzte, mutig kämpfend wie einst Bartolomé de las Casas, der im 16. Jahrhundert erst ernannte Bischof von Chiapas und Namensgeber der Stadt.

Cerro de Guadalupe mit Panoramablick

Unzählige Treppenstufen führen zu einem Monument zu Ehren der Schutzheiligen von Mexiko. Die Kirche der Jungfrau Guadalupe thront zuoberst auf dem Hügel und bietet einen eindrucksvollen Panoramablick auf die Stadt. Hier wird alljährlich am 12. Dezember der Jahrestag der Jungfrau Guadalupe zelebriert und auf der Hauptstrasse mit einer grossen Parade und reichlich Feuerwerk gefeiert.

Farbenfrohe Märkte

Spaziert man etwas nördlich, gelangt man zum belebten Markt, wo die Indios der umliegenden Dörfer ihr Ware anbieten. Der Markt in San Cristóbal erstreckt sich über mehrere Strassenzüge, mit Marktständen für Textilien und Keramik, Obst und Gemüse, Dutzende verschiedener Chilis und blutig-frische Ware der Metzger - man bekommt einfach alles was das Herz begehrt.

Bernstein-Museum (Museo del Ambar)

Im Bernstein-Museum wird alles Wissenswerte rund um den Bernstein erläutert, mit einer eindrücklichen Ausstellung mit rohen wie auch schön geschliffenen Steinen. Schmuck aus Bernstein ist ein begehrtes Produkt aus dem Hochland von Chiapas und ein wunderschönes Souvenir einer Rundreise durch Mexiko. Die Edelsteine gibt es mit oder ohne eingebettetes prähistorisches Insekt. Aber aufgepasst von falschen Händlern, welche stattdessen farbigen Kunststoff anbieten. Die einzige Möglichkeit den Unterschied zu erkennen, ist den Stein anzubrennen, wobei ein echter Bernstein einen süssen Honig-Geruch abgibt, während Kunststoff einen beissenden, unangenehmen Geruch erzeugt.

Na-Bolom

Das ehemalige Herrenhaus Na-Bolom (Haus des Jaguars) zu beschreiben ist gar nicht so einfach, zu vielseitig wird diese bekannte kulturelle Institution genutzt. Das grosszügige Anwesen mit Gartenanlagen und Patios umfasst ein Forschungszentrum und eine umfassende Bibliothek mit Tausenden von Büchern der Maya-Kultur von Chiapas. Das integrierte Museum stellt Maya-Keramik und traditionelle Textilien aus. Dazu gehört sogar ein Hotel und ein Restaurant, mit einem imposanten langgezogenen Tisch und klobigen Holzstühlen. Das ganze Haus ist zudem voller Fotografien archäologischer Relikte.

Reiseinformationen

Gut zu wissen

Und dann dürfen natürlich die Annehmlichkeiten eines Globetrotter-Hotspots nicht fehlen: Einen frisch gerösteten Kaffee im gemütlichen Café La Selva, französische Crêpes und Baguettes im Namandi Café, einen Büchertausch bei Abuelita Books, E-Mails checken in der Calle Hidalgo, Kleider waschen bei der Lavanderia Las Estrellas, Shoppen entlang der Calle Real de Guadalupe, Bier und Botana (mexikanische Snacks) in der Cantina Los Amigos und abtanzen im Nachtclub Laska. An die Weiterreise darf gar nicht gedacht werden, San Cristóbal de las Casas zieht die Reisenden in seinen Bann. Und falls doch, wartet der Bus-Bahnhof mit Verbindungen in alle Himmelsrichtungen auf.