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Arbeiten und Leben in Mexiko City

Arbeiten und Leben in Mexiko City

Beim Leben und Arbeiten in der Multimillionen-Metropole Mexiko City muss man sich an die riesigen Distanzen gewöhnen.

Erfahrungsbericht Auslandsaufenthalt

Blog-Interview mit dem Architekt Markus Hitz

Ein Auslandjahr mag wohl ein Traum von so manchem Studenten oder Arbeitnehmer sein. Oder sogar permanent in einem anderen Land einen Job annehmen? Markus Hitz ist zwar erst 24-jährig, hat aber als Architekt in Mexiko-Stadt bereits Fuss gefasst.

Nach dem Bachelorabschluss als Architekt an der Universität in Hamburg, schnupperte er bei einem zweimonatigen Sprachaufenthalt in Playa del Carmen am karibischen Meer schon mexikanischen Luft. "Ich habe schon nach kurzer Zeit das Leben in Mexiko lieben und schätzen gelernt", erzählt der Jungarchitekt bestimmt. Und wie es der Zufall so will, kam er über die Kontakte eines ehemaligen Dozenten an seinen derzeitigen Job in Mexiko-Stadt. Um Respekt habe er trotz seines jungen Alters nie kämpfen müssen. "Hier wird man als Ausländer grundsätzlich sehr respektiert. Ausser man ist vielleicht aus den USA", fügt er mit einem Lächeln an. Als Deutscher in Mexiko einen Job zu finden sei nicht sonderlich schwierig gewesen. "Man darf nicht die gleichen Lohnvorstellungen haben wie bei uns und sehr offen sein," erklärt Markus Hitz.

Mexiko City ist die bevölkerungsreichste Stadt des Landes und entsprechend gross ist die Nachfrage nach Wohnhäusern und ergänzenden Bauprojekten. Auch als mittelgrosses Architekturbüro kann sich sein Arbeitgeber immer wieder interessante Projekte angeln. Zurzeit beschäftigt er sich mit einem Kinokomplex im nordwestlich der Hauptstadt gelegenen Stadtteil Polanco, bei welchem er beim Design stark involviert war und nun dem Baubeginn im Frühjahr 2016 entgegen fiebert. Bescheiden sagt er: "Im Verhältnis zum ganzen Projekt, welches auch ein Wohn- und ein Bürogebäude umfasst, ist mein Beitrag klein. Ich bin jedoch erstaunt darüber, wie viel Vertrauen und Freiheit ich geniesse nach nur etwa 10 Monaten in Mexiko." Er arbeite mit einem sehr erfahrenen Architekten zusammen, einem der Mitbegründer des Büros und habe innerhalb von kürzester Zeit ungemein viel dazugelernt.

Ein normaler Arbeitstag beginne um 9 Uhr, wohl ungewohnt spät für europäische Verhältnisse, doch wegen dem recht langen Anfahrtsweg ist Markus Hitz ganz zufrieden damit. Dafür verkürzt sich die Mittagszeit meist auf ein Sandwich auf der Terrasse des Firmensitzes oder einige Tacos an der Strassenecke. Abends werde es öfter mal 20 oder 21 Uhr, da stecke viel Herzblut dahinter.

Und doch kommt das Leben nach Feierabend und an den Wochenenden nicht zu kurz. Er unternehme mit seiner mexikanischen Freundin regelmässig Ausflüge in die Umgebung der Hauptstadt, da gebe es einige hübsche Städte wie Puebla, Cuernavaca und Tepoztlán. Sein Traum jedoch sei eine Reise mit der Kupferschluchtbahn. Einerseits wegen der Meisterleistung der Ingenieurskunst auf dieser Bahnstrecke, der Zug passiert unzählige Brücken, Viadukte und Tunnels, andererseits weil die Gegend Nordmexikos schlicht atemberaubend sei.

Geschäftiges Zentrum in Mexiko-Stadt

"Das Leben in Mexiko City ist sehr spannend, die Stadt bietet eine ungemeine Vielfalt an kulturellen Veranstaltungen, vor allem die kleineren Konzertlokale und Theater haben es mir angetan", antwortet er auf die Frage, was er vom Leben in der Grossstadt hält. "Zudem liebe ich Fussball über alles und mit dem HSV so weit weg, sehe ich mir gerne ab und an Spiele des Universitätsteams der Pumas an." In der historischen Altstadt gibt es immer wieder neue Details zu entdecken und die gehobeneren Quartiere protzen mit luxuriösen Shopping Malls mit zahlreichen Shops, Kinos, Bars und Restaurants. "Sehr lustig finde ich auch das mexikanische Wrestling, die Lucha Libre, wobei mit Masken verkleidete Showkämpfer aufeinander losprügeln." Abends ziehen die Trendspots in den Bezirken Condesa und Roma, wo man die ganze Nacht durchfeiern könnte.

Und wie steht es mit der Sicherheit zum Leben in Mexiko? Er spüre zwar unter den Mitarbeitern und mexikanischen Freunden eine gewisse Unzufriedenheit mit der derzeitigen politischen Situation und den Vorfällen der Drogengangs in anderen Teilen des Landes. Jedoch müsse man in der Hauptstadt sowieso auf der Hut sein, wie wahrscheinlich in jeder anderen grossen Stadt des Planeten auch. Grundsätzlich fühle er sich sehr sicher.

Die Sprache sei ungemein wichtig um auch längerfristig erfolgreich zu sein. "Ich investiere konsequent täglich eine Stunde in meine Spanisch-Kenntnisse. Zwei Mal pro Woche nehme er an einer Sprachschule Unterricht. "Da lernt man immer interessante Leute kennen," meint er schmunzelnd. Auf unser Nachhaken gibt er an, seine Freundin in der Sprachschule kennengelernt zu haben. Auch weitere deutschsprachige Expats büffeln mit ihm die spanische Sprache, unter anderem eine Schweizerin welche für den Lebensmittelmulti Nestle tätig ist, ein Manager von Siemens und fünf Ingenieure des Volkswagen Konzerns.

Für den Moment scheint der ausgewanderte Hamburger den passenden Job in Mexiko gefunden zu gaben. Es sei eine tolle Erfahrung hier in Mexiko City zu arbeiten, gekoppelt mit einer grossen Herausforderung. "Mexiko mit seiner ganzen Geschichte und Kultur hat mich gepackt und ich möchte gerne weiter hier leben!" Wenn ihm das Archtekturbüro die Arbeitsbewilligung nach den ursprünglich auf 12 Monaten befristeten Auslandsaufenthalt verlängern könne, wolle er durchaus noch 1-2 Jahre bleiben. Es sieht gut aus, die Auftragslage sei sehr positiv und erste Gespräche mit den Vorgesetzten seien ebenfalls vielversprechend gewesen.

Blog-Interview: Carolina Fuchs